Integrative Medizin

Sie haben einen Arzt, der es besonders gut mit Ihnen meint:  Ihren „inneren Arzt“. Er hat keinen einzigen Tag Medizin studiert – aber er trägt die Erfahrung der gesamten Evolution des Menschen in sich. Er repariert jeden Tag Trillionen von Zellen und er kennt Ihren Körper im wahrsten Sinne des Wortes in und auswendig. Sie sind gut beraten, auf ihn zu hören. Das heißt: Werden und bleiben Sie wachsam für seine Warnungen, folgen Sie den Empfehlungen, die Sie innerlich spüren.

Oftmals ist es unser Lebensstil, der uns krank macht. Zu wenig Bewegung, Übergewicht, zu viel und zu fettes Essen, zu wenig Obst und Gemüse, dazu noch reichlich Alkohol. Fakt ist jedoch: Gerade mit unserer Lebensführung können wir einen wichtigen Beitrag leisten, um Darmkrebs vorzubeugen. 

 

LEBENSSTIL: FREUNDE & FEINDE UNTERSCHEIDEN

 

∞ Beispiel Rauchen: Die Gifststoffe in Zigaretten sind den meisten Menschen als einer der größten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Lungenkrebs geläufig. Weniger bekannt ist, dass Nikotinkonsum auch das Darmkrebsrisiko erhöht! Bei langjährigen Rauchern werden deutlich mehr gefährliche Darmpolypen gefunden. Diese Polypen sind darüber hinaus oft größer und weisen eine größere Neigung auf, zu Darmkrebs zu entarten. Ähnliches gilt für das Nachwachsen von Polypen: Nach einer Polypentfernung bilden sich bei Rauchern schneller neue Polypen, Nichtraucher bleiben länger polypenfrei.

 

∞ Beispiel Alkohol: Tatsächlich scheint reichlich Alkoholkonsum die Entstehung von Darmkrebs zu begünstigen, worauf mehrere wissenschaftliche Untersuchungen hindeuten. Schon bei moderaten Mengen von 10 bis 40 Gramm Alkohol pro Tag scheint das Risiko für Darmkrebs anzusteigen – zum Vergleich: ein Glas Wein enthält rund 20 Gramm, ein halber Liter Bier rund 25 Gramm Alkohol. Wie genau der Alkohol auf die Krebsentstehung wirkt, ist noch unklar. Möglicherweise hat ein Abbauprodukt des Alkohols, das Acetaldehyd, eine zellgiftige Wirkung.

 

∞ Beispiel Bewegungsmangel: Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bei etwa 14 Prozent der Darmkrebserkrankungen körperliche Inaktivität mit eine Ursache für das Entstehen der Krankheit sein könnte. Der Grund: Bewegung fördert die Abwehrmechanismen, auch gegen Krebszellen. Das Immunsystem wird durch Bewegung gestärkt, und antientzündliche Prozesse werden verbessert. Der Körper schüttet verschiedene Hormone aus, und durch den Sport kommt auch die Verdauung richtig in Schwung. Die Zeit, in der die Nahrung im Körper verbleibt, wird verkürzt, so dass sich im Darm weniger Giftstoffe ansammeln können. Zusammen mit den Krebsvorsorgeuntersuchungen und einer gesunden Ernährung bietet regelmäßige Bewegung einen guten Schutz, auch gegen Darmkrebs. Um Bewegung in Ihr Leben zu bringen, müssen Sie nicht unbedingt ins Fitnessstudio oder in den Sportverein gehen; versuchen Sie vielmehr körperliche Aktivität in Ihren Alltag einzubauen. Benutzen Sie öfter die Treppe anstatt Rolltreppe und Fahrstuhl oder machen Sie kleine Besorgungen zu Fuß anstatt mit dem Auto. Körperliche Bewegung ist neben gesunder Ernähung der beste Garant, sich gesund zu erhalten.

 

Pluspunkte für Ihre Darmgesundheit

Die Spezialisten vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (www.dkfz.de) haben für die Felix Burda Stiftung nicht nur Informationen über die Gefahren von Nikotin und Alkohol zusammengestellt – sie haben auch ein Ernährungsprogramm entwickelt.  Die Weichen werde früh gestellt: In Amerika ist bereits ein Drittel der Kinder und Jugendlichen übergewichtig. In Europa nähern wir uns mit immer mehr Fast-Food-Produkten diesem Trend. Ihn umzukehren, wird mit darüber entscheiden, wie sich die Darmkrebsstatistiken entwickeln. Im Moment belegt er laut Robert-Koch-Institut Platz 2 der Krebserkrankungen in Deutschland!

Was können Sie selbst tun, um sich und Ihren Darm zu schützen?

  • Bevorzugen Sie pflanzliche Nahrungsmittel wie Gemüse, Obst, Salat und andere grüne Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Kartoffeln und vollwertige Getreideprodukte (Vollkornbrot, Müsli, etc.).
  • Essen Sie verschiedene Obst und Gemüsesorten in 3 bis 5 Portionen am Tag. Gemüse kann roh und gekocht verzehrt werden. Eine Portion Obst oder Gemüse kann man durch ein Glas frischen Obst- oder Gemüsesaft ersetzen.
  • Ziehen Sie weißes Fleisch (Gefügel oder Fisch) dem roten Fleisch (Rind, Lamm, Schwein, Wild) vor. 2 bis 3 Portionen Fleisch (à 100 bis 150 g) pro Woche sind ausreichend.
  • Essen Sie frischen Seefisch, sein hoher Gehalt an Omega-3-Fettsäuren macht ihn so gesund. Verzichten Sie auf geräucherten Fisch.
  • Meiden Sie "schnelle" Kohlenhydrate, also alle Formen von Zucker: Essen Sie nur selten Kuchen und Süßigkeiten.
  • Ganz wichtig: Mindestens 2 Liter kalorienfreie Getränke am Tag. Grüner Tee ist besonders empfehlenswert, er enthält sekundäre Pflanzenstoffe, denen eine krebshemmende Wirkung zugeschrieben wird.
  • Reduzieren Sie die Fettzufuhr. Die Fettaufnahme sollte weniger als ein Drittel der Nahrungsenergie ausmachen, also nicht mehr als ca. 600 kcal Fett am Tag. Bevorzugen Sie pflanzliche Fette gegenüber tierischen Fetten: z.B. Pflanzenöle mit einfach ungesättigten (z. B. Olivenöl, Rapsöl) oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren (z. B. Weizenkeimöl, Distelöl).
  • Achten Sie bei der Zubereitung darauf, Fleisch nicht stark anzubraten oder zu grillen, denn beim Braten oder Grillen können krebserregende Substanzen entstehen. 

Es ist nicht so leicht, diese Ernährungsregeln im Zeitalter von Fast Food und Fertignahrung immer konsequent zu beachten. Doch gerade, wenn Sie eine familiäre Vorgeschichte haben, in der Darmkrebserkrankungen aufgetreten sind, ist es wichtig ist, dass Sie sich insgesamt an einer gesunden Ernährung orientieren.

60 Prozent aller krebskranken Menschen suchen laut Felix Burda Stiftung nach Möglichkeiten, die ihre schulmedizinische Behandlung im Sinne einer sanfteren Medizin sinnvoll ergänzen. Sinnvoll wäre es zum Beispiel, von Anfang an mit bewährten ganzheitlichen Konzepten zu arbeiten, statt die Naturheilkunde – wie es häufig der Fall ist – als Endzeitmedizin einzusetzen, wenn alles andere nicht mehr greift.

An der Berliner Charité wird in einem Gesamtkonzept integrativer Medizin der Brückenschlag zwischen Schulmedizin und komplementären Heilverfahren bereits praktiziert und wissenschaftlich ausgewertet. Patienten, denen die moderne Medizin keine Hoffnung mehr auf Heilung machen kann, sind einem besonders zynischen Risiko ausgesetzt: dass ihnen einerseits die klassische Medizin nichts mehr anbieten kann ("Sie sind austherapiert"), während auf der anderen Seite Therapeuten mit Heilsversprechen warten, die nicht haltbar und zudem auch noch extrem teuer sind. Was es umso schwieriger macht, ist die Sprachlosigkeit, die viel zu oft und genau an dieser Schnittstelle zwischen Arzt und Patient herrscht. Es gibt kein wirkliches Gespräch, wenn der Patient oder die Patientin mit ihrem Leben, das schon verloren gegeben ist, etwas ausprobieren möchten, was ihr Leben eventuell verlängert.

Die Gefahr, in dieser ohnehin extrem verletzlichen Situation auch noch ausgelacht zu werden ("Nur zu, wenn Sie dran glauben…"), ist nach wie vor beschämend groß. Das DKFZ: „Komplementäre Methoden können den Krebs nicht besiegen. Bestimmte Verfahren können aber die Krebstherapie sinnvoll ergänzen. Sie helfen, Körper und Seele im Kampf gegen die Krankheit zu stärken. Sie steigern das Wohlbefinden und damit die Lebensqualität der Patienten. Sie bringen innere Ruhe und mobilisieren Willensreserven.“

 

EINE AUSWAHL SOGENANNTER SERIÖSER VERFAHREN

 

Zu den seriösen Anwendungen der Naturheilkunde bei der Behandlung von Darmkrebs gehören laut Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Felix Burda Stiftung die Mistel-Therapie, Selen-Präparate und die Hyperthermie bzw. Wärmebehandlung.

 

  • MISTELTHERAPIE: Die tatsächliche Wirksamkeit der Mistel ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen. Man konnte Substanzen nachweisen, die auf das  Immunsystem und die Krebszellen positiv einwirken. Die so genannten Lektine (zuckerhaltigen Eiweiße) fördern die Ausschüttung von Endorphinen (Botenstoffe des Gehirns), die antidepressiv und schmerzlindernd wirken. Aus einigen klinischen Studien gibt es Hinweise darauf, dass die gesamte Lebensqualität der Patienten durch die Misteltherapie verbessert wird. Rund die Hälfte der Krebskranken, die Mistelpräparate erhalten, brauchen weniger Schmerz- und Beruhigungsmittel und leiden nicht so stark unter den Nebenwirkungen der Krebstherapie.
  • SELEN: Die Befürworter dieser Therapie verordnen Selen während einer Strahlen- oder Chemotherapie mit dem Ziel, die massiven Nebenwirkungen auf gesunde Zellen zu vermindern. Denn das Spurenelement Selen aktiviert ein Enzym, das Blutzellen schützt. Der normale Bedarf von Selen liegt bei rund 0,1 Milligramm pro Tag. In der Therapiephase verordnen manche Ärzte 0,2 bis 0,4 Milligramm (200 bis 400 Mikrogramm) pro Tag in Form von Trinkampullen oder Selenhefe-Tabletten.
  • HYPERTHERMIE (Wärmebehandlung): Die Hyperthermie stellt eine Ergänzung zur Bestrahlung bei Mastdarmkrebs dar. Die Körperregionen werden kurz vor oder nach der Bestrahlung zusätzlich mittels Mikrowellen auf 40 bis 42 Grad Celsius erwärmt. Durch diesen "Wärmestress" soll erreicht werden, dass Tumorzellen empfindlicher auf die Bestrahlung reagieren, also schneller zu Grunde gehen. Die Wärmetherapie soll darüber hinaus noch einen weiteren positiven Effekt haben, nämlich die körpereigene Immunabwehr gegen den  Tumor verstärken. Die Erfahrungen der letzten Jahre geben Anlass zur Hoffnung, dass die Wärmebehandlung einen positiven Einfluss auf den Erfolg der Strahlentherapie haben könnte. 

Was die Seele jetzt braucht

∞ TAI CHI UND QI GONG: Tai Chi ("Schattenboxen") und Qi Gong sind Bewegungsübungen mit meditativen Elementen, die eng mit der Traditionellen Chinesischen Medizin verbunden sind. Sie helfen, den Körper zu stärken und das innere Gleichgewicht wieder zu finden und typische Begleiterscheinungen der Krebserkrankung wie Erschöpfung, Müdigkeit, Stress und Unausgeglichenheit zu überwinden.

∞ ENTSPANNUNG: Unerwartete Genesungen, erstaunliche Gefasstheit, ungebrochener Lebensmut –  man sollte die unmittelbare Wechselwirkung zwischen psychischer und physischer Verfassung immer im Auge haben. Es besteht kein Zweifel, dass Körper und Seele in einem permanenten biochemischen Austausch stehen und sich ohne Unterbrechung gegenseitig beeinflussen. Seele und Geist sind genauso auf gute Nahrung angewiesen wie der Körper (siehe oben). Gerade bei Krebserkrankungen ist der Patient schwersten Ängsten, Depressionen und Belastungen ausgesetzt, die seine Abwehrkräfte zusätzlich schwächen. Deshalb ist die psychische Krankheitsbewältigung entscheidend für seine Lebensqualität. Mentale Entspannung hilft dabei. Daneben gibt es noch einiges andere mehr: zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, die Gesprächstherapie, künstlerische Therapien oder Gruppentherapien. Psychoonkologie stellt einen wichtigen Baustein eines ganzheitlichen, krebstherapeutischen Konzeptes dar.

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