Logische Medizin praktizieren

Der Mut, anders zu denken, als es die klassische Lehrmeinung vorschreibt, ist eine von Dr. Petra Brachts großen Stärken. Als ich sie im Jahr 2000 zum ersten Mal traf, hatten mich die Gedanken in ihrem Buch Biotuning gepackt: wie sie davon schrieb, den inneren Arzt zu aktivieren. Den Schmerz als Information zu begreifen, die nicht gegen, sondern für einen arbeitet. Sie ist eine der seltenen Ärztinnen, die logische Medizin betreibt, die erstmal den gesunden Menschenverstand zur Hilfe nimmt, bevor sie sich im Apparatedschungel verirrt. Sie stellt Fragen wie: "Was ist passiert?" oder "Was fehlt Ihnen?"; Fragen, die – allein, wenn man sie langsam liest – bereits eine innere Tür öffnen zu dem, was Schmerz und Krankheit ursprünglich verursacht hat.

Petra Bracht praktiziert, wenn man so will, slow medicine statt quick fix; setzt lieber tiefe Heilungspozesse in Gang, als schnelle Mittel zu verschreiben. Und die brauchen Zeit und Geduld, neben einigen tief greifenden Veränderungen. Eigenverantwortung, Wege, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, die Achtsamkeit mit dem eigenen Körper, nicht zuletzt die Sprache des Schmerzes zu verstehen.  Wenn man der Bad Homburger Ärztin zuhört, erschließen sich die Zusammenhänge sofort. 

Manche ihrer Patienten hat sie noch nie persönlich gesehen. "Sie folgen meinen Ratschlägen in Radiosendungen, im Internet, und auf unseren Informationsveranstaltungen kommen sie manchmal auf mich zu und fragen, ob sie mich vielleicht mal in den Arm nehmen dürfen, weil sie einen Rat befolgt haben und es ihnen danach viel besser ging."  

 

Weder stehen deshalb in Petra Brachts Praxis besonders spektakuläre Geräte noch werden Patienten womöglich durch Fernheilung gesund. Was die Ärztin auszeichnet ist, dass sie einfach ihren gesunden Menschenverstand einsetzt, ihr Herz, um zu spüren und die Ohren, um zu hören. Dass sie das Offensichtliche sieht – Schicksalsschläge, Übergewicht, Schmerzen, Folgen von falscher Ernährung –; dass sie es anspricht und gemeinsam mit dem Patienten einen Weg aus dem Leid sucht, dessentwegen diese ursprünglich kamen.

"Eine Patientin hat mal gesagt, es geht bei uns darum, das Gesunde zu stärken, damit das Geschwächte geschwächt wird." 

Krankheit bedeutet für sie, in Unordnung zu kommen, chaotisch zu werden, die eigene innere Ordnung zu verlieren. Dazu gehört häufig, ein Leben zu leben, in dem man zwar den Vorstellungen anderer Menschen entspricht, aber nicht den eigenen. Einmal kam eine Patientin zu mir", erzählt Petra Bracht, "die äußerlich betrachtet ein Muster an Ordnung war: gebügelte Bluse, Kostüm, Nylonstrüumpfe, Handtasche, sogar passende Handschuhe."

Sie wollte eine Anleitung zum Fasten, eine Darmsanierung, ein Weilchen nur Säfte. Nichts deutete darauf hin, wie sehr es unter der glatten Oberfläche brodelte.

RADIKALE VERÄNDERUNGEN 

Die Patientin verließ die Praxis darmsaniert und mit einer Reihe von Anleitungen, um den Körper zu entgiften. "Als ich sie nach 6 Wochen wiedersah, war sie nicht wiederzuerkennen", sagt Dr. Bracht. "Sie trug Jeans und kariertes Holzfällerhemd, hatte nicht nur innerlich sondern auch äußerlich ausgemistet. Sie hatte ihren Mann verlassen, war aus der Kirche ausgetreten, die sie von Kindheit an besuchte und sie hatte ihren Job gekündigt." Nachdem der Stein erstmal ins Rollen gekommen war, war auch Platz geschaffen für ein Happy End. Die Patientin fand ihre große Liebe, bekam Kinder, lebt ihr Leben, wie sie es sich wünscht. "Nahrung schafft Ordnung", sagt Petra Bracht, "und beim Fasten können wirklich erstaunliche Dinge geschehen. Das beobachte ich immer wieder."

Krankheit ist aus ihrer Sicht der Weg in die Unordnung. "Gesundung ist der Weg in die eigene, innere Ordnung." Wo andere Feinde sehen, sieht sie Logik: "Der Körper versucht ja, etwas zu sagen, etwas auszudrücken, sein Gleichgewicht wiederzufinden. Und dazu muss man erst einmal spüren, was einem eigentlich fehlt." 

Manchmal geht es jedoch nicht mehr ums Spüren… dann schreien einem die Schmerzen mitten ins Gesicht. So wie bei Migräne. Bei einem Schulter-Arm-Syndrom. Oder beim Hexenschuss. Der war es dann auch, der alle ihre Vorbehalte, ob Roland Liebscher-Brachts Theorien nun tatsächlich stimmten, endgültig zum Schweigen brachte. "Ich wollte abends einen Vortrag halten und wachte am Morgen davor mit einem Hexenschuss auf. Ich hatte erst einmal vorher so etwas gehabt… und es hatte Wochen gedauert, bis ich wieder fit war. Ich bestand nur noch aus Panik. Ich hab Roland gesagt, er soll das in Ordnung bringen, sofort! Ich wollte unbedingt den Vortrag halten." Und das tat er: Er brachte es in Ordnung, so selbstverständlich, wie er es schon bei Tausenden von Menschen getan hat. "Ich konnte es kaum glauben, dass er mit diesen paar Punkten, die er drückte, tatsächlich den Schmerz einfach löschte. Aber so war es." Erst von diesem Augenblick an begann das Paar, die LNB-Schmerztherapie gemeinsam zu systematisieren. "Natürlich hatten mich in der Praxis oft schon Patienten gefragt, ob er etwas gegen ihre Schmerzen tun könnte, und ich habe ihnen LNB angeboten. Aber die eigene Erfahrung war wirklich das Schlüsselerlebnis."

 

Was bedeutet für Sie menschliche Kompetenz in der Medizin?

"Hhmm", sagt sie und überlegt genau. "Als erstes die Fähigkeit, sich einfühlen zu können. Dann natürlich Zeit, zuzuhören." An dritter Stelle kommt für Dr. Petra Bracht der Mut, das, wovon der Therapeut überzeugt ist, an den Patienten weiterzugeben. Und es gibt noch ein viertes: "Die Aussicht zu vermitteln, dass jemand gesund bleiben, wieder gesund werden kann und dass er dazu von seinem Therapeuten das richtige Wissen vermittelt bekommt." Das Wichtigste kommt jedoch zum Schluss: "Man muss Menschen lieben, um diese Arbeit zu tun."

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