Konservierung: auf Eis gelegt

Unter Kryokonservierung (kryo = griechisch für Kälte) versteht man das Einfrieren und Lagern von Zellen bei tiefen Temperaturen in flüssigem Stickstoff (mehr Infos unter www.wunschkinder.net).

Wenn man es genau bedenkt, ist hier mehr als ein Wunder am Werk. Die ganze genetische Information bleibt intakt und die Kinder aus diesem Samen werden auch nach Jahren der Spermienlagerung gesund geboren.

Durch spezielle Kryokonservierungsverfahren, bei denen Zellen mit einem membranschützenden Medium, dem Kryoprotektivum, versetzt werden, sowie durch die Anwendung von computergestützten Temperaturprogrammen zur Steuerung des Einfrierprozesses können Zellen über lange Zeiträume ohne Beeinträchtigung ihrer Lebensfähigkeit aufbewahrt werden. 

 

Wir fragten die Expertin Dr. Andrea Salzbrunn:

 

Wann ist es sinnvoll, Samenproben einzufrieren?

• Immer dann, wenn eine medizinische Behandlung geplant ist, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.

• Dies gilt z. B. vor Chemotherapie oder Bestrahlungaber auch vor manchen rheumatologischen und ähnlichen Behandlungen.

• Auch wenn durch Erkrankungen, z.B. Diabetes oder Multiple Sklerose oder durch eine Operation im Bauchraum die Fähigkeit zum Samenerguss gestört werden kann, ist eine Kryokonservierung sinnvoll.

• Vor einer geplanten Sterilisation können als Vorsorgemaßnahme Samenproben eingefroren werden.

• Wenn bereits direkt nach der Pubertät eine Störung der Fruchtbarkeit besteht, kann sich diese im späteren Leben verstärken. Auch in solchen Fällen sollte rechtzeitig darüber nachgedacht werden, Samenproben einzufrieren.

 

Wie viele Samenproben werden eingefroren?

Oft reicht eine Samenprobe, die in mehrere Einheiten unterteilt werden kann. Die genaue Anzahl hängt vom Ergebnis des Spermiogramms ab.

Wie werden die Samenproben gelagert und wie lange

sind sie haltbar?

Die Lagerung erfolgt in Stickstoffdampf in speziellen Behältern. Dabei kommen der Stoffwechsel und etwaige Zersetzungsprozesse nach derzeitigem Kenntnisstand weitgehend zum Erliegen, so dass die Proben viele Jahre gelagert werden können.

 

Wer bezahlt die Kryokonservierung und Lagerung?

Da es sich um eine Vorsorgeleistung handelt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten nicht. Es handelt sich also um Leistungen, die privat zu bezahlen sind und nach der Gebührenordnung für Ärzte berechnet werden. Die Patienten erhalten selbstverständlich eine Rechnung, die sie ggf. steuerlich geltend machen können.

 

Wie hoch sind die Kosten?

Es entstehen Kosten für Voruntersuchungen, für die Kryokonservierung und für die Lagerung der eingefrorenen Samenproben. Die Kryokonservierung selbst kostet einmalig ca. 360 Euro und die Lagerung der Proben 25 Euro pro MonatOb die Krankenkasse die Kosten für die Voruntersuchungen trägt, muss im Einzelfall besprochen werden.

 

Warum sind Untersuchungen auf Hepatitis und HIV notwendig?

Die Samenproben sind zur Anwendung an einem anderen Menschen bestimmt, nämlich für eine Kinderwunschbehandlung bei Ihrer Partnerin. Damit sind die Proben einem Organ-Transplantat gleichgestellt. In Deutschland findet das Transplantationsgesetz Anwendung, das diese Untersuchungen fordert.

Regelmäßige Kontrollen durch die Gesundheitsbehörde sichern die Einhaltung dieser gesetzlichen Vorschriften.

 

Was passiert, wenn die Proben für eine Behandlung benötigt werden?

Eine Kinderwunschbehandlung mit kryokonserviertem Ejakulat kann zeitlich und örtlich frei gestaltet werden. Einzelheiten z. B. eines Transports können auch kurzfristig in wenigen Tagen geregelt werden.

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