Dr. med. Christian Heidenreich

Sharjah, geografische Lage 25 Grad 21’ N, 55 Grad 26’ O. Sharjah, sechs Stunden, zehn Minuten Flugstunden von Deutschland entfernt. Eines von sieben der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), ca. 700.000 Einwohner – Inschallah –, Weltkulturerbe der UNESCO, direkter Nachbar des berühmten Emirates Dubai. Kulturhochburg, streng konservativ. Alkohol ist hier verboten, Frauen dürfen in der Öffentlichkeit nicht bauchfrei gehen. 

Sharjah – dieser Staat in der Wüste ist seit 2002 die zweite Heimat des deutschen Arztes Dr. Christian Heidenreich, seiner Frau Sabine, und ihrer Kinder  Johanna und Vincenz. "Natürlich", sagt der in Hamburg geborene Doktor, "war das ein großer Schritt. Von Deutschland in die arabische Welt. Aber wir genießen das Leben hier. Und unsere Tochter Johanna spricht mittlerweile sogar extrem gut arabisch." 

 

HIER TREFFEN SICH KULTUREN & NATIONEN

 

Die berufliche Existenz, die der Facharzt für Innere Medizin in Sharjah aufgebaut hat, ist im zehnten Stock des Al Batha Towers gelegen: die German Medical Clinic, erreichbar an sieben Tagen der Woche und zu Zeiten, in denen in Deutschland niemand mehr ans Telefon geht. Die Praxis ist Vertragspraxis für die Lufthansa; das Deutsche Konsulat vertraut Heidenreichs Expertise, ebenso Volkswagen. Sabine Heidenreich ist eine gefragte Physiotherapeutin – und der Chef selbst bietet als Internist und einstiger Oberarzt einer deutschen Klinik nicht nur die Schwerpunkte Herz und Gastroenterologie, sondern auch das ganze Spektrum der Ultraschalldiagnostik und Endoskopie an.

Doch vor allem ist Christian Heidenreich eines: Teil einer aussterbenden Spezies – nämlich der des guten alten Hausarztes, der seine Augen benutzt, um zu sehen, seine Ohren, um zu hören und seine Hände, um zu tasten. Was in dieser Welt bei weiblichen, arabischen Patienten eine ausgesprochen heikle Sache werden kann. Es ist sein taktvolles Feingefühl, gepaart mit einem bemerkenswerten diagnostischen Instinkt, die ihm dennoch alle Türen öffnen.

Visite bei Dr. Chris, wie er hier genannt wird – verbunden vor allem mit der Frage: Wie kommt man als deutscher Arzt in die Wüste? Antwort: auf Umwegen!

Dr. Heidenreich testete – neben seiner deutschen Praxis – ein Medizinerleben in England. Dort praktizierte er vorübergehend auf der Intensivstation einer Londoner Klinik. "Ein Patient aus dem Emirat Abu Dhabi hatte sich hier Bypässe legen lassen. Danach bekam er eine böse Komplikation – Magenblutungen. Ich konnte diese Blutung stoppen." Aus Dankbarkeit für die Lebensrettung lud der arabische Patient den deutschen Arzt in seine Heimat Abu Dhabi ein. Heidenreich flog... und blieb. Zwar nicht sofort, doch die Atmosphäre, das Klima und die beruflichen Möglichkeiten gefielen ihm so gut, dass er sich umschaute in den Emiraten. Am Ende war es der 10. Stock in Sharjah, der Tower des Kronprinzen der Herrscherfamilie al-Qasimi, in dem er sich eine Praxis vorstellen konnte.

Die Entscheidung des Mannes ist die eine Sache, aber wie macht man seiner Familie einen Wechsel vom katholischen Ost-Westfalen in die islamische Welt schmackhaft? 

Reisender zwischen den Welten

Dr. Heidenreich lehnt sich zurück in dem Schreibtischsessel, von dem aus er einen faszinierenden Blick auf die idyllische Khalid Lagune, eine Moschee und Hochhaustürme auf der anderen Seite des Wassers hat, sagt: "Meine Frau musste ich nicht überreden. Mein Sohn war neugierig auf das, was kommen könnte. Schubsen mussten wir unsere Tochter Johanna. Sie hat wirklich bittere Tränen geweint, weil sie ihre Freundinnen verlassen sollte. Aber mittlerweile hat sie hier in Sharjah neue Freunde und Freundinnen gefunden.“  

Es hat einige Jahre gedauert, bis die berufliche, wenn auch nicht die familiäre Heimat  der Heidenreichs der Vergangenheit angehörte. "Im Anfang bin ich jede Woche für zwei, drei Tage nach Deutschland geflogen, um dort in meiner Praxis, die ich mit einem Kollegen hatte, zu arbeiten. Ich konnte und wollte all die Menschen, die ich dort betreute, und die mir ans Herz gewachsen sind, nicht im Stich lassen.“

Er war ein Reisender zwischen den Welten, zwischen Christentum und Islam. Zwischen vier Jahreszeiten und ewiger Sonne, die im Juli/ August fast 50°C auf dem Thermometer erreicht, zwischen Deutsch und Englisch

Denn der Alltag in Sharjah ist international. Neben den vielen Deutschen, die zu ihm in die Clinic kommen – Ex-Patriots ebenso wie Urlauber, zu denen sein guter Ruf gelangt ist – betreut er Patienten aus Uganda und Indien, aus Tansania, Algerien , dem Sudan, und vor allem aus Sharjah und Dubai selbst. Ob Lungenfunktionsprüfung oder Belastungs-EKG, Ultraschall oder Videoendoskopie – all das, was eine Praxis mit bester Geräteausstattung bieten sollte, trägt er auch noch als Light-Version in seinem Koffer mit zu den unzähligen Hausbesuchen. 

Natürliche Intervention

Doch sein Repertoire umfasst auch die andere Seite der Medizin: Naturheilkunde. „Ich habe schon vor Jahren erkannt, dass die Schulmedizin nicht alles kann… dass die Naturheilkunde ganz andere Chancen bietet, den Menschen gesund zu machen.“ Was er bereits erfolgreich in seiner deutschen Praxis begann, brachte er nun in die Wüste! Stößt er damit auf offene Ohren? "Nicht immer", schüttelt er den Kopf. "Viele wollen die schnelle Medizin – ich nenne sie 'on – off – Medizin'. Und sie haben nicht die Geduld, umzulernen, sich umzustellen." Aber immer mehr  sind Heidenreichs sanfter Medizin gegenüber aufgeschlossen. "Ich sage meinen Patienten bewusst, dass ich auch eine andere Medizin anbiete. Dann nehme ich mir Zeit, höre zu. Ich muss viel wissen über den Menschen – sonst kann Naturheilmedizin nicht funktionieren. Schließlich bietet nur eine saubere Diagnose die Chance für eine wirkungsvolle Therapie." Er macht sich Gedanken um seine Patienten: "Ich kann nur im Dialog ein guter Arzt sein. Da müssen doch Schwingungen sein mit dem Patienten, Vertrauen, Offenheit. Wir legen hier auch Wert darauf, dass wir quasi Ärzte sind zum Anfassen. Wir tragen keinen Kittel und keinen Schlips. Wir sind lässig – aber konzentriert in der Arbeit. Und wir möchten unseren Patienten signalisieren, dass wir keine Götter in weiß, sondern Menschen sind. Ganz normale Menschen, denen Menschen wichtig sind. Ärzte, die gewissenhaft nach der Ursache einer Krankheit fahnden. Und nach meinem Verständnis ist der Ausbruch einer Krankheit nichts anderes, als dass Ventile zum Überlauf gekommen sind... da gilt es dann für mich, dabei zu helfen, dass aus Geist, Körper und Seele wieder eine Einheit wird.“ 

Von Rheuma bis Dubai-Syndrom

Womit hat er aus hauptsächlich zu tun am anderen Ende der Welt? Er lacht: "Von Rheuma bis zur Schuppenflechte, Husten, Schnupfen, Grippe, Migräne, Schmerzen jeder Art. Und natürlich das Dubai-Syndrom..." Was ist bitte sehr das?! Der Doc: „Müdigkeit und Stress. Beides ist in Dubai weit verbreitet, und beides kann man besonders gut mit Naturheilverfahren behandeln. Die Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe", sagt er, "haben mir viele Einblicke in das wahre Leben gegeben, die ich in Deutschland so nicht bekommen hätte."

Um sie zu verarbeiten, tut er das, was ihm auch in Deutschland immer geholfen hat. Er geht in die Kirche und betet.

 

 

Mehr Informationen zu Dr. Christian Heidenreich und der German Medical Clinic in den Vereinigten Arabischen Emiraten / UAE

 

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